Rote Lippen

soll man(n) küssen oder wie es dazu kam, dass der rote Lippenstift zu einer meiner Markenzeichen wurde.

Jeder der mich kennt weiß, dass ich sehr gerne roten Lippenstift trage, in diversen Rot – Tönen. Dies war nicht immer so. In der Tat, gab es tatsächlich ein ausschlaggebendes Ereignis bzw. genau ein Tag in meinem Leben, bei dem sich eine gewisse kleine Geschichte entwickelt hat. Diese Geschichte führte dazu, dass ich seit dem roten Lippenstift trage. Wann immer es geht. Wann immer es passt.

Die kleine Anekdote fängt wie folgt an:

 

Ende 2002 bin ich mit meinen Kindern vom Stuttgarter Raum nach Bergisch Gladbach gezogen. Dies geschah damals tatsächlich aus Liebe. Mein damaliger Freund fand seine neue Arbeitsstelle in Leverkusen und mietete eine schöne große Wohnung am Anfang der Fußgängerzone in Bergisch Gladbach an. Dorthin zogen wir zusammen ein.

Er zuerst, denn er renovierte alles schön und dann kam ich mit meinen beiden kleinen Engeln, meinen Sohn und meiner Tochter, dazu. Ich war zu der Zeit Arbeitssuchend, hatte aber schon einen Job für 2003 in Aussicht, so dass ich ohne großen Aufwand den Umzug organisieren konnte.

 

Das erste Mal in einer Stadt wohnen… WOW… und dazu noch in der Fußgängerzone. Das war wirklich ungewöhnlich für mich, da ich doch in einem schwäbischen Dörfchen mit dem Namen Murr an der Murr in Baden-Württemberg aufgewachsen bin.

Also alles andere als Stadt war ich gewohnt. Wobei Dorfgemeinden in Baden-Württemberg doch eine ziemlich moderne Infrastruktur haben. Zumindest mein kleines Dörfchen…

Es war so ziemlich am Anfang des Jahres 2003 als ich mir überlegte, ich könnte mir doch mal einen neuen Lippenstift kaufen. Bis zu dem Zeitpunkt hatte ich natürlich schon Lippenstift getragen. Es waren aber eher dezente Farben und ja nichts Auffälliges. In der Fußgängerzone, heute wie damals, gibt es zwei Parfümerien. Eine bekannte Kette (die Farbe Türkis ist typisch…) sowie eine Privatparfümerie. Bis zu diesen Parfümerien ist es bzw. war es damals zu Fuß nicht weit von unserer Wohnung entfernt.

So spazierte ich an einem Samstag im Januar 2003 die Fußgängerzone hoch, Richtung Marktplatz und dachte mir, OK, du warst vorher nie in dieser Ketten-Parfümerie, dass könnte doch mal ein Anfang sein. Vielleicht finde ich ja etwas Interessantes für mich.

 

So spazierte ich da rein … und ehrlich…. ich lache jetzt noch, während ich diesen Beitrag schreibe. Seit diesem Tag bin ich einfach nur Kosmetik – verrückt. Egal ob Pflege, dekorative Kosmetik oder Parfüm… ich gestehe ich bin süchtig danach.

Natürlich kam mir gleich eine Fachverkäuferin entgegen, eine hübsche junge Dame. Ich war etwas zurückhaltend und äußerte meinen

Wunsch, dass ich auf der Suche nach einem neuen Lippenstift sei.

Ja welche Farbe sollte es denn sein? So die Frage der Verkäuferin. Ich sagte vielleicht eine etwas kräftigere Farbe, als ich sie sonst trug? Also kräftiger als dezent Rosa?

 

So nahm sich dann diese junge Dame meiner an und riet mir im Gespräch dazu, ein etwas kräftigeres Rot auszuprobieren. Sie meinte, das würde so wunderbar zu meinen Haaren bzw. zu meiner Haarfarbe passen.

Zu der Zeit trug ich ebenfalls langes Haar, allerdings war die Haarfarbe Blau – Schwarz und nicht Rot, wie ich sie heute trage.

 

Ich war mir nicht sicher und ich sagte nur, „Ja, warum nicht“ und überlies mich ihrer Führung. So ging sie von einem Stand an dekorativer Kosmetik zum anderen und sah sich die Farben an. Dabei schaute sie immer wieder zu mir, um so das passende Rot zu finden. Die Marken waren alle bekannt aus der Mode und …. Naja, ich dachte mir, WOW, wie viele verschiedene Farben Rot es gibt.

Wie sie so schaute und mich dabei immer wieder betrachtete blieb sie dann bei einer Marke stehen, die wirklich Weltklasse ist. Und ich muss sagen, in Sachen dekorativer Kosmetik finde ich sie noch heute toll. Sie nahm einen schönen etwas helleren roten Lippenstift zur Hand und trug mir die Farbe mit einem Pinsel auf die Lippen. Als sie mit dem Ergebnis zufrieden war sah sie mich strahlend an. Noch während sie mir sagte, wie toll mir doch dieses schöne Rot auf den Lippen stehen würde, besonders zu meinen Haaren und im Kontrast zu meinen grünen Augen, drückte sie mir den Spiegel in die Hand und ich sah mich an.

 

Also…. Ich schaute in den Spiegel und erkannte mich zunächst gar nicht. Dann sah ich diese roten Lippen und war zuerst etwas fassungslos, dann erstaunt und schließlich gefiel mir das, was ich im Spiegel erblickte. Ein kleines Lächeln zauberte sich in mein Gesicht und ich schaute hin zur Verkäuferin die mir weiterhin begeisternde Worte zusprach und immer wieder in den Spiegel.

 

Und dann passierte etwas, was ich heute als Intuition erklären würde, denn wenn jemand intensiv zu mir schaut und etwas über mich denkt, so spüre ich das automatisch und schaue dann in diese Richtung. Ihr kennt so etwas bestimmt auch.

Auf jeden Fall, während ich mich weiterhin im Spiegel betrachtete, und die Verkäuferin weiter mit mir sprach, spürte ich intuitiv so einen Gedanken. Ich spürte Blicke in meine Richtung und schaute leicht links am Spiegel vorbei.

 

Man(n) OH man(n)…. Das war ein Bild für die Götter!

 

Ich sah keine 5 Schritte von mir entfernt einen Mann stehen, der seine bessere Hälfte in die Parfümerie begleitet hatte. Meiner Schätzung nach war er mindestens 20 Jahre älter als ich. Das heißt ich war so Anfang 30 und er ca. 50 Jahre alt. Ich werde nie diesen Blick von ihm vergessen. Noch heute, denke ich oft mit einem Lächeln auf den Lippen über diesen Blick nach.

 

Sein Blick… konstatiert, gebannt auf meine rote Lippen. Sein Mund offen und ich glaube, ich sah schon etwas Sabber runter tropfen….

In dem Moment schlug mein berühmt berüchtigter Schalck im Nacken zu und da dachte ich mir, wenn ich so einen Effekt mit roten Lippen bei einem Mann hervorrufen kann, dann kaufe ich den Lippenstift und trage den, wann immer ich kann.

 

Bitte versteht mich nicht falsch. Ich mache mich nicht über ihn lustig. Ich bin ihm sogar dankbar. Denn ohne ihn würde ich noch heute nur dezente Farben tragen. Und das wäre doch etwas langweilig. Oder was denkt ihr?

An dieser Stelle möchte ich mich nochmal explizit bei dem Herrn für seinen „Sabber“ bedanken.

 

Und so trage ich seit diesem Tag roten Lippenstift, welcher mittlerweile zu meinem Markenzeichen geworden ist.